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Das private Interview beim Tausendsassa Christian Jott Jenny

Christian Jott Jenny ist Tenor, Schauspieler und Inhaber einer Firma mit Namen «Amt für Ideen»; entsprechend nennt er sich nicht Chef, sondern Vorsteher. Und er nennt sich Christian Jott Jenny, bei «Jott» handelt es sich aber nicht um einen zweiten Vornamen, es ist der erste Buchstabe seines Nachnamen.

2007 gründet Christian Jott Jenny das Festival da Jazz St. Moritz. Für einmal bündelt er seine Energie im reinen Produzententum. Mit Erfolg: Jahr für Jahr lotst Jenny die grössten Stars der Szene (Nigel Kennedy, Ahmad Jamal, Chick Corea, Dee Dee Bridgewater u.v.m. fanden den weiten Weg ins schöne Engadin) in den kleinen und äusserst intimen Dracula Club in St.Moritz. Aber der umtriebige Jenny macht noch viel viel mehr, nachzulesen hier.

«Wandern mit Viktor Giacobbo raubt mir den Atem!»

Ihr persönliches Highlight am diesjährigen Festival da Jazz?
Neben Lisa Simone (Tochter von Nina Simone) freue ich mich ausserordentlich auf Earth, Wind & Fire und Diana Krall.

Warum nehmen die Jazz-Musiker den langen Weg ins Engadin auf sich, und spielen bei Ihnen?
Ich mag mich diesbezüglich gerne wiederholen, doch auch nach neun Jahren gilt: Nirgends kann man Weltstars und herausragende Talente in einem intimeren Rahmen erleben als am Festival da Jazz. Punkt!

Wie kommen Sie an die gewünschten Künstler?
Mit einem Netzwerk, mit vielen Gesprächen, mit Verhandeln und Betteln. Wir können zwar nicht alles bieten, wie zum Beispiel eine erhöhte Bühne, aber «we try our best».

Wann öffnen Sie den Kreis und lassen auch Musiker auftreten, die nicht nur Jazz spielen?
Fragen Sie diesbezüglich Künstler, die bei uns auftraten, wie Sophie Hunger, Pippo Pollina oder Paolo Conte. Auch wir fressen über den Jazz-Zaun hinaus. Grundsätzlich Jazz-lastig werden wir aber immer bleiben.

Der legendäre Dracula Club bietet nur eine begrenzte Anzahl an Sitzplätzen. Gibt es mögliche Alternativen für eine Vergrösserung?
In Ausnahmefällen haben wir schon ausgelagert. Aber meist nur aus «technischen» Gründen. Neben Pink Martini hätten einfach keine Zuschauer mehr in den Dracula Club gepasst. Wichtiger als die Grösse des Zuschauerraums empfinde ich, dass wir im Dorf auch neben den Shows einen Festival-Groove versprühen können.

Rentiert das Festival da Jazz St. Moritz finanziell?
Der Privat-Jet, welcher mich vom Unterland nach Samedan bringt, ist leider noch immer in weiter Ferne. Wer Kultur so betreibt, kann von grossen Gewinnen nur träumen. Unterstützung aus privater und öffentlicher Hand garantiert ein Mindestmass an Sicherheit. Unterstützung, welche auch sehr plötzlich weg brechen kann.

Musiker verkaufen immer weniger Tonträger und setzten umso mehr auf Live-Konzerte. Können Sie die stetig wachsenden Gagen-Forderungen noch bezahlen?
Nur bedingt. Dafür werden die Musiker auf ihrer Tour wohl kaum einen ähnlich schönen Fleck finden, wie das Oberengadin. Aber natürlich können wir nicht jeden Wahnsinn mitmachen. Daneben setzen wir immer auch auf Newcomer, welche sich entsprechend noch in auszuhaltenden Sphären bewegen.

Werden Sie finanziell unterstützt? Zum Beispiel vom vermögenden Künstler und Dracula Club Gastgeber Rolf Sachs?
Wir haben diverse Sponsoren, Medien-Partner und einen bewundernswerten Gönnerverein, die «Amis» und sind dankbar für die Unterstützung durch Gemeinde und Kanton. Anders ginge es nicht. Rolf Sachs stellt «seinen» Club zur Verfügung. Mehr geht gar nicht.

Welches Talent hätten Sie gerne?
Faulenzen.

Und welches einmalige Talent besitzen Sie?
Voltigieren, Kunstrad fahren.

Das mögen Sie gar nicht?
Durchorchestriertes und Überraschungsarmes.

Und das lieben Sie?
Paartanzen mit dem Feuer, Schüsse vor den Bug.

Das raubt Ihnen den Atem?
Wandern mit Viktor Giacobbo!

Und das haut Sie um?
Verbale Retour-Kutschen meiner Kinder.

Glauben Sie an Gott?
Ach Gott, wer weiss. Wenn nur all seine Fanclubs etwas gemässigter wären. Religion hat zu viele Hoch-Risiko-Spiele.

Und wie lange wird es das Festival da Jazz in seiner Art noch geben?
Nur Gott weiss das genau.

 

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